So lebt man in St. Petersburg (Part II)

Part 1: Ein langer, aber nicht unmöglicher Weg nach Russland
Part 3: Von homosexuellen Russen 

In der Kürze der Zeit habe ich sehr viel von St. Petersburg gesehen. Ich kann euch nur empfehlen euch mit einem Stadtplan zu bewaffnen und die Innenstadt zu ergründen.  Auch wenn alles auf kyrillisch geschrieben ist, kann man sich doch recht schnell zurecht finden. Leider spricht selten jemand Englisch und generell habe ich kaum ausländische Touristen getroffen. Andrey erzählte mir, dass St. Petersburg wenig Touristenandrang hat und wenn, dann kommen diese selber aus Russland. Ich kann mir vorstellen, dass viele dann doch lieber in warmes Land in Urlaub fahren bzw. der Aufwand zu groß ist ein Visum zu beantragen. 
Die Gebäude sind alle sehr imposant, mächtig und prunkvoll. Ich habe einige Kathedralen besucht und festgestellt, dass diese immer sehr gut gefüllt sind mit Russen/innen, die kurz vorbei kommen und dort beten, auch wenn kein Gottesdienst stattfindet. Darunter finden sich junge und ältere gläubige Menschen. Das Fotografieren ist meistens nicht erlaubt, was ich verstehen kann, da das die Betenden stören könnte.


 Russen

In der Innenstadt selbst merkt man schnell, dass es eine große Kluft zwischen Arm und Reich gibt. In bestimmten Vierteln kam ich mit den zählen der Pelzmäntel überhaupt nicht mehr nach. Ich habe Hundeaccessoires gesehen, die ich bisher noch nicht kannte. In anderen Teilen der Stadt hatte man nicht mal Geld für gescheite Handschuhe. Russische Frauen heiraten bereits mit Anfang 20 und Karriere wird mehr den Männern vorgegeben. Alles ist sehr traditionell ausgelegt und die russische Geschichte bei jedem stark verankert. Wenn man sich eine gute Wohnung leisten kann, so ist diese extrem gesichert. Um zu Andreys Appartement zu gelangen, benötigt man einen Zahlencode für das Außentor. Für den Haupteingang gibt es einen separaten Schlüssel, auch die zweite Tür erfordert einen weiteren Schlüssel. Oben angelangt erhält man nach zwei weiteren Appartement-Türen endlich Zugang zu seiner Wohnung. Ich habe mich teilweise wie in einem Hochsicherheitstrakt gefühlt! In dem Appartement-Komplex gibt es rund 100 Wohnungen. Aber das lustige ist, dass es keine Klingel und Türöffner gibt. Besucher müssen somit persönlich an der Hauptpforte unten abgeholt werden. Das passt irgendwie nicht ganz zusammen.
Shoppingtime und russische Küche
Es gibt viele tolle kleine Boutiquen die einen Besuch wert sind. Der Zara selbst ist in einem sehr prunkvollen Gebäude eingerichtet, sodass man denken könnte, dass es sich um Hugo Boss handelt. Die meisten Klamottengeschäfte haben bis 22 oder 23 Uhr geöffnet – auch Sonntags! Als ich erzählte, dass unsere Kaufhäuser gegen 20 Uhr schließen, schauten mich entsetzte Blicke an. Straßenhändler versuchen günstige Halstücher, Handschuhe oder Mützen an den Mann zu bringen. Und Internet gibt es fast an jeder Ecke in Bars und Restaurants. An den Türen hängen bereits große Wifi-Schilder, die die Besucher einladen. Und das anscheinend erfolgreich: denn fast jede Bar ist rappelvoll. Was ich in der Innenstadt vermisste waren jedoch mehr Restaurants oder Bars mit traditioneller russischer Küche. Vermehrt gibt es Burger, Sushi oder Pasta. An jeder Ecke gibt es ein italienisches Restaurant.
Das russische Essen an sich ist sehr deftig und würzig, aber sehr lecker. Es gibt viele verschiedene Salatsorten und unzählige leckere Suppen. Auch die Hauptspeisen fallen üppig aus, gerne wird das Gemüse kleingemacht und mit gebratenen Hühnchen verkocht. Straßenhändler verkaufen gerne an ihrem Stand Eis am Stiel, Tee oder heiße Maiskolben. Andrey bereitete mir zum Frühstück einmal eine Art von Pfannkuchen zu: der Teig bestand aus Mehl, Weißkäse, Eiern und Sultaninen. Super lecker, aber ziemlich sättigend. Zum frühstück wird auch viel Haferbrei mit Milch und Honig gegessen.

(Hier geht es zum Follow-me-around Video)